Frau Treu und der Brief aus dem Krankenhaus

Frau Treu ist eigentlich eine herzige Dame, Mitte 60 und gibt uns wenig Stoff zum reden. Sie holt einmal im Monat Medikamente für ihren kranken Mann und ihre Rentner-Bravo und damit hat sich das dann.

Zwar ist auch sie eine von der Sorte, mit der ich immer wieder über unsere leidigen Rabattverträge diskutieren muss, aber das hält sich meistens ins Grenzen.

Nun war Herr Treu aber im Krankenhaus und bekam neue Medikamente verordnet. Und wieder stand die gute Frau bei uns mit dem Rezept von ihrem Hausarzt, der besagtes Medikament auch als Wirkstoffverordnung ausgestellt hat. (Ich mag Wirkstoffverordnungen in den meisten Fällen. Da heißt es nicht „der Arzt hat sich ja sicher auch was bei der Firma gedacht.“ Das ist schön.)

Nun stand auf dem Blatt vom Krankenhaus aber, wie fast immer üblich, besagtes Medikament im Original. So und da hatten wir wieder den Salat.

Frau Treu: „Ich hab hier extra einen Zettel vom Doktor aus dem Krankenhaus, dass es diese Sorte sein MUSS!“

Klein P.sychoT.A.nte hat dann einfach mal den Zettel gelesen und nein, Frau Treu, Sie haben den Text falsch interpretiert. Da steht nämlich „gegen den Austausch auf ein rabattbegünstigtes Mittel gleichen Wirkstoff spricht nichts.“ Heißt also: Hauptsache Wirkstoff stimmt, also habe ich auch keine Handhabe für pharmazeutische Bedenken.

Das habe ich versucht Frau Treu zu erklären… aber sie bestand weiter drauf.  *seufz*

Ein Anruf beim Arzt ergab auch nichts neues. *doppelseufz*

PTA: „Es tut mir leid, Frau Treu, aber ich kann wirklich nichts machen.“

Freu Treu: „Dann bezahle ich eben die Differenz, was das mehr kostet, als das billige.“ (ich hasse es, wenn die Leute die Medis als „Billig“ bezeichnen… vor allem bei Medis jenseits der 500€, egal ob Generikum oder ach so hoch gelobtes „Original“…)

Dabei zeigt sie auf die letzte Zeile des Briefes.

„Wenn Sie einem Austausch trotzdem nicht zustimmen, können sie die Differenz zwischen dem Original und dem Generikum in der Apotheke bezahlen.“

…was zum….?

Wie genau stellen die sich das vor? Ich bedrucke das rabattbegünstigte und berechne das „teure“? Und wie bitte soll ich herausfinden, was da die Differenz ist? Ich kenn doch die Rabattverträge der Krankenkassen nicht.

Ich habe der guten Dame dann lang und breit erklärt, dass sie nur die Möglichkeit hat das besagte Mittel dann eben GANZ zu zahlen. Alles andere wäre ja nun schlichtweg wirklich Betrug… und ganz davon ab eben auch  nicht nachvollziehbar zu berechnen.

Aber wie zum Geier, sollen die mir das glauben, wenn die vom Arzt einen Zettel kriegen, auf dem steht, dass sie ja auch die Differenz zahlen könnten?

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Da freut sich der Doc.

Nein, nicht Herr Doktor Sowieso… der freut sich nie. Der kann nicht mal danke sagen, wenn man ihm eine Info gibt.

Aber Herr Doktor Gegenüber, der freut sich und das freut uns.

Und zwar kam er vor einiger Zeit ca 5 Minuten vor unserem verdienten Feierabend und damit auch bereits knapp eine halbe Stunde nach seinem verdienten Feierabend bei uns in die Apotheke. Er hatte einen Patient übernommen und wollte dem ein neues Medikament für dessen COPD-Erkrankung aufschreiben, nur fiel ihm einfach der Name nicht mehr ein.

Er wusste noch, dass das Medikament relativ neu war und dass es drei Wirkstoffe enthielt, aber da Dr. G. kein Fan von Internet und Co. ist konnte er einfach nicht mehr herausfinden, wie dieses Zeug denn nun hieß.

Meine Kolleginnen so schnell leider auch nicht. Er ist dann von Dannen gezogen und meinte so wichtig wäre es ja auch nicht. Er würd dann am nächsten Vormittag eben bei einem Kollegen anrufen, mit dem er sich vor einiger Zeit noch über dieses Medikament unterhalten hatte.

Nachdem dann am nächsten Morgen in der Apo die Kolleginnen vom Abenddienst von Dr. G.s Besuch erzählten, wurde klein P.sychoT.A.nte neugierg und hat einfach mal bei Dr. Google nach „Dosieraerosol 3 Wirkstoffe COPD Neu 2017“ gesucht und sie da… gleich das erste Ergebnis ist ein Eintrag in der Apothekerzeitung über eben jenes Medikament. Dann noch fix im Artikelstamm suchen, Zettel mit Name und Zusammensetzung ausdrucken und dem Doc rüber bringen.

Der kam praktischerweise auch grade rein und wollte seine Damen über jenen Vorfall informieren und bekam dann gleich den Ausdruck unter die Nase gehalten.

Ungelogen, er hat einen halben Freundentanz aufgeführt, als er genau das Medikament auf dem Zettel hatte, das ihm auch vorschwebte.

 

Ich mags ja, wenn’s so läuft. Das macht den Telefonterror von Dr. Sowieso wieder wett.


Ja das liebe Insulin

Insulin wird ja inzwischen in vielfältiger Art verabreicht: In Fertigpens, die man nach Gebrauch wegwirft, in Innolets, was im Prinzip das gleiche ist, nur größer und mit einem großen Rad zum Einstellen der Einheiten, in Patronen für einen wiederverwendbaren Pen und in Durchstechflaschen für Pumpensysteme…. An sich eine tolle Sache.

 

Da kommt es dann aber auch gerne mal zu Irrungen und Wirrungen, sowohl bei Patienten, als auch bei den verordnenden Ärzten, bzw. deren medizinischem Fachpersonal.

 

Ein traurig sich wiederholendes Beispiel ist unsere liebe Praxis Neu&Sauber.

 

Von den letzten 10 Insulinrezepten, durfte ich bei 8 anrufen und korrigieren lassen.

 

Ich sehe ein, dass man bei den Kurzbezeichnungen DFL (Durchstechflasche), ILO (Injektionslösung), ZAM (Zylinderampullen), FER (Fertigspritzen) etc echt durcheinander kommen kann, schon allein weil die Fertigspritzen eben auch gerne mal als ILO gekennzeichnet sind.

 

Aber irgendwann wird’s dann eben doch ein wenig lästig, wenn man wirklich wegen so gut wie jedem Insulin-Patienten die Praxis anrufen darf und sagen muss „Ihr habt das Insulin in Durchstechflaschen verschrieben, der Patient braucht aber Zylinderampullen.“ *seufz*

 

(Tollste Aussage dabei dann übrigens: „Ja, aber die Dame hat doch gesagt, dass sie die Flüssigkeit braucht…“

Joah…. lassen wir so stehen. 😉 )

 

Wir rufen weiter fröhlich an, in der Hoffnung, dass es dann irgendwann in jeder Kundenkartei stimmt. Es ist eben verwirrend… aber eben auch doof für die Patienten, wenn die jedes Mal hier warten müssen, bis wir das geklärt haben. Wirft auch für den Patienten kein so gutes Licht auf die Praxis, wenn „Ihr“ Arzt, „Ihr“ Insulin falsch aufschreibt, vor allem, wenn das nach Aussage das Patienten „jedes Mal!!!“ passiert.


Lieber Herr Doktor Sowieso… schon wieder

Hachja…

 

Lieber Herr Doktor Sowieso,

 

ich komme jeden Tag um etwa die gleiche Zeit in Ihre Praxis und ich habe schon Ende August mehrfach gefragt, wie es bei Ihnen denn jetzt aussieht mit der Bevorratung an Grippeimpfstoffen für die kommende Saison. Jedes Mal sagte ihre nette MfA, dass Sie Sie fragen würde und auf weitere Nachfragen meinerseits kam immer „Herr Doktor hat noch nichts gesagt.“

Nach guten drei Wochen und nachdem alle andere Arztpraxen mir ihre Bestellungen gegeben haben, habe ich bestellt. Für Praxis Gegenüber, für Praxis Neu und Sauber und für Praxis Spritz und Weg… nur für Sie nicht. Sie haben mir ja nichts gesagt.

Und jetzt rufen Sie an und meckern, warum Sie keine Grippeimpfungen bekommen haben und dass ich SOFORT welche bestellen soll.

Ja gut.. hat der GH nur nicht und muss über Direktbestellung laufen und das kann dauern.

Es hilft übrigens nicht, wenn Sie jetzt jeden Tag zwei Mal anrufen und fragen „Wo bleiben meine Grippeimpfstoffe?!“

Das kann ich nicht sagen. Ich habe sie nachgeordert, jetzt heißt es warten.

Und nein „dann rufen Sie da an und sagen, dass ich die SOFORT brauche!“ hilft auch nicht! Die Firma arbeitet so schnell, wie sie kann. Rufen Sie doch selber an!

In diesem Sinne…

 

Schöne Woche noch.


Herr Hubert und sein Insulin

Seit Frau Hubert vor einigen Jahren gestorben ist sehen wir Herrn Hubert nicht mehr so oft. Er lässt die Rezepte meist vom Arzt zu uns rüber geben und dann die Medikamente von uns liefern. Das klappt auch ganz gut.

Ab und an kommen seine Kinder, oder der Pflegedienst auch etwas abholen, oder offene Rechnungen bezahlen, weil Herr Hubert mit seinen fast 90 Jahren eben auch manches nicht mehr so gut auf die Reihe bekommt wie früher.

Aber, was er für Medikamente nimmt und vor allem von welchen Firmen, das weiß er ganz genau. Da passt er auf wie ein Luchs.

So kam es, dass sowohl der Arztpraxis, als auch uns ein dummer Fehler passiert ist.

Herr Hubert ist Insulinpatient und bekommt seines für gewöhnlich im Fertigpen (Findet eigentlich noch jemand, die Bezeichnung „Kwikpen“ so furchtbar wie ich?). Er hat grade seinen Arzt gewechselt und Praxis Neu und Sauber hatte ihm sein Insulin in Ampullen verordnet.

Uns ist das leider auch nicht aufgefallen. Weiß der Geier warum das durch gerutscht ist. Im Endeffekt war es aber auch ganz gut.

Aber weiter.

Herr Hubert rief also am nächsten Tag an und erklärte: „Sie haben mir gestern mein Insulin gebracht, aber leider das Falsche. Ich brauche diese fertigen Stifte.“

PTA: (Nach kurzem Blick in den Computer und Nachschauen auf dem Rezept von gestern – ein Glück räumt der Chef die immer erst später weg) „Oh da ist ja gleich alles schief gelaufen. Die Praxis hat das falsche verordnet und wir haben es gar nicht gesehen. Das tut mir sehr leid. Wir schicken Ihnen nachher den Boten vorbei um das auszutauschen. Legen Sie es bitte so lange in den Kühlschrank. Wir klären das auch mit dem Rezept.“

Herr Hubert: „Das ist gut. Ich hab ja an sich auch nichts gegen so Ampullen. Die nehmen ja weniger Platz weg, aber das ist so umständlich, dass man die immer im Kühlschrank liegen haben muss. Da sind die Stifte besser.“

PTA: (Wird hellhörig) „Ja, die Stifte sind schon praktisch. Aber die müssen Sie auch im Kühlschrank lagern. Nur der, den sie grade in Benutzung haben, der braucht nicht mehr kühl liegen. Insulin geht mit der Zeit ja kaputt, wenn es zu lange warm liegt.“ (Eine Weile kann Insulin durchaus ungekühlt liegen, aber Herr Hubert ist auf sehr geringe Dosen eingestellt und kommt mit so einem 10er Paket Pens gerne mal ein halbes Jahr hin)

Herr Hubert: „Ach was. Die leg ich immer oben in den Schrank zu den Teetassen. Da stören die mich ja nicht.“

PTA: „Herr Hubert, es ist wirklich ganz wichtig, dass Sie die nicht angebrochenen Pens im Kühlschrank lagern, das Insulin geht sonst kaputt.“

Herr Hubert: „Ach was. Mein Sohn hat auch noch nie was gesagt.“

Und legt auf.

… …  …

Und das Schlimmste dran: Der Sohn ist Arzt.

Wir haben dann auch der Tochter, die ein wenig später noch Teststreifen holen kam und dem Pflegedienst, der mit einem Rezept über Kanülen kam gesagt, dass Sie Herrn Hubert dringend darauf hinweisen sollen, dass er sein Insulin kühl lagern muss. Auch die Praxis haben wir gebeten dem guten Mann das nochmal zu sagen.

Die Antwort war immer dieselbe: „Das sagen wir ihm schon seit Jahren… aber er glaubt es nicht.“

Ich habe Herrn Hubert dann auch nochmal ein paar Infos zur korrekten Lagerung von Insulin mit in seine nächste Lieferung gesteckt. Ich hoffe wirklich er lagert das Zeug demnächst dann doch im Kühlschrank.


Nehmen Sie einfach ihre Maße

Ein Kunde bringt ein Rezept über eine Kompressionsstrumpfverordnung für seine Frau.

PTA: „Wir müssten für die Strümpfe einmal bei Ihrer Frau die Beine abmessen.“

Mann: „Nehmen Sie einfach die Maße vom letzten Mal.“

Das geht durchaus. Wenn das länger her ist lassen wir uns das aber schriftlich geben, dass der Patient keine neue Messung wünscht und damit riskiert, dass die Strümpfe rutschen. Wir bitten ihn also seine Frau zu informieren und uns dann Bescheid zu geben, wenn er am Nachmittag seine Medikamente abholt.

In der Zwischenzeit suchen wir also nach den alten Maßen seiner Frau und finden nichts, zumindets nichts für sie. Wohl aber die Maße ihrer Schwester.

Am Nachmittag kommt praktischer Weise sogar die Frau selbst.

PTA: „Oh sehr gut, dass Sie selbst kommen. Wir sollten Ihnen die Strümpfe nach altem Maß bestellen, aber bei uns existieren keine Maße mehr für Sie. Sie müssten also nochmal zum Abmessen kommen. Dann können wir ja auch gleich einen Termin abmachen.“

Frau: „Ja ich weiß. Nehmen Sie die Maße von meiner Schwester, wir sind sowieso gleich groß.“

PTA: „Ehm… also das geht nicht. Diese Strümpfe werden für jeden individuell angefertig.“

 

Das wäre es noch. Und dann wird sich später beschwert, dass was nicht sitzt und rutscht, oder zu eng ist. Nein liebe Leute, auch wenn ihr gleich groß seid, gleich wiegt, die gleiche Figur habt, solche Maße können trotzdem ganz erheblich abweichen. Außerdem lautet die Verordnung auf Miranda und nicht auf Maria. Also messen wir auch bei Miranda und nicht bei Maria.


Das ist ja nett, aber…

Liebe Praxis Dr. Sauber, es ist ja wirklich nett, dass ihr Rezepte für eure Patienten – mit deren Einverständnis versteht sich – direkt zu uns schickt, damit die alten Herrschaften sich den Weg die Treppe hoch in eure Praxis sparen können, ABER… HÖRT AUF, den Leuten sowas zu sagen wie „Das könnten Sie dann um 12:30Uhr in der Apotheke abholen.“

Die stehen dann um 12.30Uhr hier und erwarten ihr Medikament.

Das ist aber problematisch, denn:

  1. schafft ihr es nie, uns die Rezepte vor der Mittagspause zu schicken und ich hab dann, wenn ich wieder aufmache den Briefkasten voll mit Sachen, die ich noch bearbeiten muss.
  2. Wusste ich nicht, dass ihr da oben Einblick in unser Lager habt und wisst, was wir da haben und was nicht. Ich muss doch ab und an mal was davon bestellen, grade bei exotischeren oder teureren Medikamenten, die ihr gerne mal aufschreibt. Und wenn wir dann die Rezepte erst in der Mittagspause – und die ist weit nach 12.30Uhr bekommen – dann habe ich das erst am Abend um 18Uhr da und dann müssen die armen Leute zwei Mal kommen. Denn um die Zeit können wir nicht mehr liefern.
  3. ist es besonders ärgerlich, wenn ihr das am Mittwoch, oder am Freitag macht, denn wenn ich Rückfragen habe muss ich die Leute auf den nächsten Tag, oder gar auf die nächste Woche vertrösten, denn am Nachmittag seid ihr nicht mehr da.

Sagt doch einfach „Das können Sie morgen in der Apotheke abholen.“ Das macht es einfacher 😀